“Contemporary pseudo-feminism is all about the power of yes. (…)
Only by remembering how to say ‘no’ will the women of the 21st century regain their voice and remember their power. ‘No’ is the most powerful word in a woman’s dialectic arsenal, and it is the one word that our employers, our leaders and, quite often, the men in our lives would do anything to prevent us from saying. No, we will not serve. No, we will not settle for the dirty work, the low-paid work, the unpaid work. No, we will not stay late at the office, look after the kids, sort out the shopping. We refuse to fit the enormity of our passion, our creativity, and our potential in to the rigid physical prison laid down for us since we were small children. No. We refuse. We will not buy your clothes and shoes and surgical solutions. No, we will not be beautiful; we will not be good. Most of all, we refuse to be beautiful and good.”
(Laurie Penny: Meat Market)
“Wissen, daß man nicht für den Anderen schreibt, wissen, daß diese Dinge, die ich schreibe, mir nie die Liebe dessen eintragen werden, den ich liebe, wissen, daß das Schreiben nichts kompensiert, nichts sublimiert, daß es eben da, wo du nicht bist, ist - das ist der Anfang des Schreibens.”
(Roland Barthes: Fragmente einer Sprache der Liebe)
“Da man ursprünglich ja keineswegs die Gründung der Freiheit, sondern lediglich die Wiederherstellung von Rechten und Privilegien beabsichtigt hatte, so war es nur natürlich, daß die Männer der Revolution, selbst als sie sich bereits mit der Aufgabe der Gründung einer Republik konfrontiert sahen, fortfuhren, von der neuen revolutionären Freiheit zu sprechen, als bestehe sie in nichts anderem als dem Besitz der alten Rechte und Privilegien.”
(Hannah Arendt: Über die Revolution)
“Dem Abenteuer (dem, was mir zustößt) ausgeliefert, gehe ich daraus weder als Sieger noch als Besiegter hervor: ich bin tragisch.
(Man sagt mir: diese Art der Liebe lässt sich nicht leben. Aber wie die Lebensfähigkeit bewerten? Warum ist, was sich leben lässt, ein Gut? Warum ist dauern besser als brennen?)”
(Roland Barthes: Fragmente einer Sprache der Liebe)
“Jeder Versuch, Geschlechternormen zu verändern oder die sexuelle Differenz nicht-normativ abzubilden, muss also bei der Konstitution des Zwischen-Raums der gemeinsamen Welt und der Freiheitspraxis der Politik ansetzen. ‘Es ist der Raum zwischen ihnen, der sie verbindet, mehr als irgendeine Eigenschaft eines jeden einzelnen’, um noch einmal Margaret Canovans Darstellung der arendtschen Differenz zwischen einer Gemeinschaft, die sich darauf gründet, ‘was’ jemand ist (d.h. Identität), und einer Gemeinschaft, die sich darauf gründet, ‘wer’ einer ist (d.h. auf Welt-Bilden), zu zitieren.”
(Linda M. G. Zerilli: Feminismus und der Abgrund der Freiheit)
“Eines Tages werde ich diese Typen von der Berlitz-Sprachenschule anrufen und ihnen sagen, dass ich mein Geld zurück will, dass es so etwas wie Konversationsdeutsch nicht gibt, nur Argumentationsdeutsch. Ihre Stimme war wunderschön. Das Timbre der deutschen Frau trifft immer den Ton. Jedes Mal, wenn ich eine küsse, habe ich Angst, ich hole mir was. Sie klingen alle wie Marlene Dietrich mit Stirnhöhlenentzündung. Das Kratzige kennzeichnet eine Frau, die für sich selber sorgen kann und, wenn nötig, auch für mich (in Sinne von film noir und femme fatale). Mir ist klar geworden, wie sehr das hohe »Oh my god!«-Gequieke amerikanischer Frauen nur eine Aufmerksamkeit heischende Masche ist. Eine sopraneske Fassade für eine Schwäche, die manchmal geheuchelt, manchmal tief verwurzelt ist, und die immer nervt.”
(Paul Beatty: Slumberland)
»Die Politik der Frauen hat nicht zum Ziel, die Gesellschaft zu verbessern, sondern Frauen zu befreien und ihnen freie Entscheidungen zu ermöglichen. (…) Weibliche Freiheit ist radikal unbegründet: Weder letztbegründet noch konsequentialistisch, findet sie ihre raison d’être einzig und allein in sich selbst.«
(Linda M. G. Zerilli: Feminismus und der Abgrund der Freiheit)
Wenn du sagst, “Das ist eine Frau, das ist ein Mann”, und ich die skeptische Frage stelle, “Woher weißt Du das?”, dann wirst Du vielleicht Standardkriterien für den Geschlechtsunterschied anführen, wie etwa Chromosomen, Hormone und Genitalien. Was aber, wenn diese Urteilsprinzipien nichts anderes sind als Urteile? Wer prüft wen, wenn der Maßstab wiederum ein Urteil ist? Wann verfügen wir über ein objektives Mittel zur Prüfung unserer empirischen Aussagen?
(Linda M. G. Zerilli: Feminismus und der Abgrund der Freiheit)
“Vielmehr neigen wir dazu, immer dann eine antipolitische Sensiblität zu entwickeln, wenn wir nach politischen Lösungen für soziale Probleme suchen. Vor dieser Neigung müssen wir uns hüten.”
(Linda M. G. Zerilli: Feminismus und der Abgrund der Freiheit)
Du sollst nicht die Ehe brechen - revisited
Eine Partnerschaft kann zerbrechen, irgendwann, wenn jedes Wort, das gesprochen wird, in einem Streit aufgeht, die Langeweile das bestimmende Gefühl ist und die Liebe selbst in Erinnerung blass und bleich geworden ist. Durch einen einzelnen Akt kann eine Ehe oder eine Beziehung nur dann zersplittern, wenn die Form, in der sie verstanden wird, so starr und eng und unbeweglich ist, dass ein schräger Blick ausreicht um sie zu versehren.
Wenn man die Assoziationen vergleicht, die das Konzept “Ehe” auslösen, wenn wir es im Wortlaut des sechsten Gebotes lesen, mit den Partnerschaften, in denen Menschen heute zeitweilig glücklich leben, haben diese wenig gemein. “Die Ehe schlechthin scheint es nicht mehr zu geben; erst ein Adjektiv klärt, um welche Art von Verhältnis es sich handelt: um eine partnerschaftliche, eine kameradschaftliche, eine konventionelle, eine moderne oder ebene eine intellektuelle Ehe?”, schreibt die Germanistin Hannelore Schlaffer über die Entwicklung moderner Beziehungsformen. So gibt es heute weder ein Regelwerk dafür, wie Menschen sich in einer engen Liebesbeziehung verhalten müssen, damit sie von den Beteiligten als gelungen erkannt wird, noch gibt es bruchsichere, tradierte Konzepte dafür, was Paare tun können, um sich nicht voneinander zu entfernen.
Als Experiment sind Partnerschaften abschließbar und wiederholbar; bis zur Eheschließung heute haben Frauen/Männer/Menschen oftmals erlernen können, unter welchen Spielregeln Partnerschaften für sie erfüllend sind. Die ungeschriebenen Eheverträge unserer Zeit müssten daher vielfältig sein. Die Konstellationen der Menschen, die miteinander alt werden wollen ebenso. Es gibt heute keine guten Gründe mehr, nur das Studium über mit Künstlern zu schlafen und dann den Anwalt zu heiraten. Man ist nicht beziehungsunfähig, weil man Lust auf Sex mit mehr als einem Menschen hat. Warum sollte es nicht möglich sein für mehr als eine einzige Person zugleich (romantische) Liebe zu empfinden? Was, wenn Gefühle größer sind als die Regeln, die das Liebesleben zurecht stutzen und es moralisch drangsalieren? Die Liebe wird so herabgewürdigt zu einem Erfüllungsgehilfen gesellschaftlicher Normen; sie darf erst dann als erfüllend wahrgenommen werden, wenn sie diesen entspricht.
Sex mit anderen kann, sofern dies nicht mit der Partnerin/dem Partner besprochen wurde, weh tun. Doch der Begriff “Ehebruch” muss für moderne Beziehungen ausgeweitet werden. Er meint mehr, vor allem meint er Gravierenderes als sexuellen Betrug. Er geschieht dann, wenn die Prinzipien der Gleichheit, Freiheit und Fairneß verletzt werden. Häusliche Gewalt, ungleiche Arbeitsverteilung, krankhafte Eifersucht (um nur einige Formen der physischen, psychischen und strukturellen Gewalt zu nennen) - das sind Verbrechen, die innerhalb von Beziehungen geschehen und partnerschaftliche Versprechen verletzen.
Um zu wohltuenden Beziehungen zurückzufinden, ist der Ausbruch aus heteronormativen Paarkonzepten notwendig. Viele Formen der (Liebes)-Beziehungen - zu zweit oder zu mehr Personen, auf Dauer oder für eine Zeit - sind ethisch, bedeutsam und gesund. Diese Vielfalt gilt es untereinander auszuhandeln, zu akzeptieren und zu schätzen.
Das 7. Gebot soll lauten: „Nur der Bruch mit der alten Ehe kann die Liebe retten“.