Souveräninnen

Annarosa Buttarelli

"Damit wir uns endgültig verabschieden von der Glaubwürdigkeit, die viele von uns den Institutionen und Apparaten der repräsentativen Demokratie immer noch zusprechen, denn es sind Institutionen und Apparate, ‘die nur für Männer geschrieben wurden’. Wir müssen eine Art und Weise finden, die ‘Demokratie’ mit ‘weiblicher Autorität’ zu verbinden; darin liegen der Geist und das Fundament der zweiten Revolution der Frauen."

"Es scheint vielmehr in der Geschichte zahlreicher Zeugnisse unserer Fähigkeit zu geben, die Wahrheit zu sagen, und zwar nicht in der Form eines heroischen Aktes oder als Überschreitung der Gesetze, sondern aus Liebe zur Realität. Es gibt politische Denkerinnen, die heute aus Liebe zum weiblichen Kampf gegen die Irrealität Bücher über Philosophie schreiben, um der Welt zu sagen: Schaut, die Demokratie hat vergessen, wie wertvoll ein Verständnis von Konflikt als etwas Unblutigem ist, und, so fügen sie hinzu, man müsste die Demokratie auf der Basis des Konfliktes neu gründen, ohne Blutvergießen und also auf der Basis der Zuneigung, der menschlichen Sensibilität.”

"Wir können heute Souveräninnen werden, weil die Zeiten dafür gut sind, und nicht, weil es unser Recht wäre.

In der Tat ist weibliche Souveränität, wenn sie ausgeübt wird, schon für sich genommen Unabhängigkeit von der Irrealität, die die im Todeskampf liegenden Institutionen geschaffen haben. Sie gewährleistet die Rückkehr zur Realität und zur Möglichkeit, die Wahrheit zu sagen, ohne die Macht mit selbstmörderischem Heroismus herauszufordern. Weibliche Souveränität kann uns helfen, an einer Beziehung der Differenz mit den Männern zu arbeiten. Indem wir sie praktizieren, können wir Zeugnis dafür ablegen, dass wir durchaus in der Lage sind, das männliche Bedürfnis danach zu respektieren, Institutionen und Konstruktionen aufzubauen, in deren Rahmen es bis heute nötig gewesen ist, sich jede Sache einzuverleiben, die frei zur Welt kommt.”

(Diotima: Macht und Politik sind nicht dasselbe)