God Is a Masturbator

Folks, sex has never been
more than a blend
of bodies doing for one
another
that which pleases
them and evolution
to do
either in desire
or in desperation
or in necessity
It serves no purpose
other than love
and life’s purpose
Sexualists
are a product of sex
We are made by sex
Sex made the Salvation Army
We are sex
There is nothing dark
about this magic
And those pangs of lust
which make you sick
Those unthinkable dreams
which fill you with doubt
-as long as wild joys emit
from an enthusiastic spirit
eat the dust! shout!
Thank God one’s thoughts
excite as much as flesh
Thank God there’s a place
in all this he and she
and he and he
and she and she
for a me and me-

(Gregory Corso)

Instant coffee with slightly sour cream
in it, and a phone call to the beyond
which doesn’t seem to be coming any nearer.
“Ah daddy, I wanna stay drunk many days”
on the poetry of a new friend
my life held precariously in the seeing
hands of others, their and my impossibilities.
Is this love, now that the first love
has finally died, where there were no impossibilities?


(Frank O’Hara: “Poem”)

eat your heart out

I’ve come by, she says, to tell you
that this is it. I’m not kidding, it’s
over. this is it.

I sit on the couch watching her arrange
her long red hair before my bedroom
mirror.
she pulls her hair up and
piles it on top of her head–
she lets her eyes look at
my eyes–
then she drops her hair and
lets it fall down in front of her face.

we go to bed and I hold her
speechlessly from the back
my arm around her neck
I touch her wrists and hands
feel up to
her elbows
no further.

she gets up.

this is it, she says,
eat your heart out. you
got any rubber band?

I don’t know.

here’s one, she says,
this 
will do. well,
I’m going.

I get up and walk her
to the door

just as she leaves
she says,
I want you to buy me
some high-heeled shoes
with tall thin spikes,
black high-heeled shoes.
no, I want them
red.

I watch her walk down the cement walk
under the trees
she walks all right and
as the pointsettias drip in the sun
I close the door. 


(Charles Bukowski)

kalligraphie

müsste ich deinen körper in 
eine blindenschrift übersetzen 
auf weiches papier oder in das 
wasser eines flusses am abend 
wäre es eine linie die nie aufhört 
als kreiste meine fingespitze auf 
der innefläche deiner hand über 
den puls in deine armbeuge hinauf 
zu deinen schulterblättern bis zu 
deinem nacken wo sie unter deinen 
haaren verschwindet und sich fast 
verliert bevor sie hinabgleitet an 
deinem schlüsselbein zu dem 
punkt der keinen namen kennt 
nur wege so dass sie wieder 
kreisen muss bis deine haut sich 
spannt wie ein fell und ich 
zittere als würde es perlen 
unter meinem rücken regnen 
das ist dein herz das ich in 
meiner hand bis in die augen 
schlagen höre und ich tauche 
wieviel zeit ist vergangen meine 
fingerspitze in deinen bauchnabel 
drücke dich leicht und sammle einen 
tropfen schweiß auf dem ich meine 
spur weiter ziehe und je ferner ich auf 
deine schenkel ausweiche desto tiefer 
berühre ich dich erkunde dein knie 
das auf und ab den Horizont 
deiner beine hinter dem 
ich mich wie eine 
sonne 
ausstrecken 
möchte ein glas milch 
das über die tischkante kippt 
über deine zehen die buchten 
zwischen ihnen das bett deiner 
sohle jetzt musst du lachen und 
ich bin blind vor glück lege meinen 
finger auf deine lippen doch nur 
um dich danach zu küsssen und zu 
wissen dass wenn ich die augen 
öffne meine blicke die reise von 
neuem beginnen




(albert ostermaier)

wir ritten davon
wir waren hier und jetzt
wir wollten alles

philipp schiemann

Du hast Angst, dass ich dich verlasse.
Ich verlasse dich nicht.
Nur Fremde reisen.
Weil ich alles besitze,
hab ich nichts, wohin ich gehen kann.

Leonhard Cohen

manchmal ist das leben ein
dünner, zerfledderter lyrikband den du
nicht einmal verstehen musst
hat der schmerz amerikanische
datenspuren und deine erinnerung passt
in eine klaffende wunde an einem unterarm
einer freundin die deine sehnsüchte
trocken leckt in der ecke einer bar
eine nacht voller ungezählter sterne 
stickt und die narben von deiner haut
im nachtlicht und regen
wäscht manchmal reicht es nicht wenn
sie dich so ansieht und tief in
deinem garten in den disteln
vergisst sich ein funken
und du wartest ein wimpernzucken
ziehst die brauen nach und schreist.

fest gebunden in der mitte
unter den tritten der mittelmäßigkeit
auf dem boden leiser worte
hast du begonnen ihre versprechen
der länge nach aufzuschlitzen
mit einem scharfen augenschlag

lose gefesselt am rande
neben dem keuchen der gleichgültigkeit
hast du entschieden ihre blicke
von ihren lippen zu lecken
hast sie ausgespuckt
mit einem trockenen kuss

beinahe frei gelassen, auf einer klippe
hast du alle wunden vergessen
der schorf fiel in glitzernden schuppen
eine schnitzeljagd entlang deiner haut
die abspringt, bevor du hinabspringst
genügsam, leise, ins blau.

Rolltreppen im August

von Rolf Dieter Brinkmann


Die Panik der vielen einzelnen Personen, die nie richtig
getickt haben, nie geliebt worden sind, nicht irgendetwas
liebten, umarmt haben, immer haben sie die Mantelkragen

hochgeschlagen, ihre Kleider zugehalten, die Knie
aneinander gedrückt, in einem Gespräch. Die Panik
der Abteilungsleiter, die zwischen den Ständen gehen,

die Krawatten festgezogen, der Anzug nicht verbeult,
die schwarzen Sonderangebotsschuhe glänzen, die Socken
sind verschwitzt. Mundspray in den Pausen gegen den

schlechten Atem, Gestalten in gläsernen Kabinen, die
von den Ferien in Österreich mit Vollpension träumen,
über Wiesen gehen, stehenbleiben, nicht sehen, was sie sehen.

Die Panik der Straßenbahnfahrer, die aussteigen, über den
hellen, weißen Steinplatz gehen, in der Sommerhitze, vorbei
an den Bänken mit Taubenkot, dreckigen Telefonzellen mit

zerrissenen Telefonbüchern, Litfaßsäulen, wo Klavierkonzerte
angekündigt sind, sie umgehen den Springbrunnen, der abgestellt
ist. Die Panik der Baugeschättunternehmer, die dünne Wände

hochziehen, die jeden Laut durchlassen, Husten, Pißgeräusche,
das Wimmern eines neuen Babys, Männer und Frauen, die sich
verletzen, schreien, einander anspucken und weitermachen.

Panik auf den Konten, die verwüstet sind, Panik am
Straßenrand, in der Abflußrinne, Panik zerlaufene Uhren,
Panikbäume, Panikgrundstücke, Panikmieten, die Panik in den

vertrockneten städtischen Anlagen und Kinderspielplätzen.
Panik beim Zeitungskauf, Panik der Buden an den Straßenecken, Panik
beim Sitzen draußen im Sonnenlicht und auf dem Asphalt ein graues

zerlaufenes Eis, Panik beim Umdrehen auf der Straße, und die
Straße ist leer: Panik wegen des Durcheinanders im Kopf, Panik
auf der Schreibmaschine, Panik in den Architekturbüros, Panik in

den Fahrstühlen, Panik der Felle, Panik der Zigarettenraucher,
Panik der Türken, Panik der Griechen, Panik der Spanier, Panik
der Franzosen und Westdeutschen, Panik in Südamerika, Schulkinderpanik,

Fernsehpanik, Schwedenpanik, englische Panik. Die Panik vor der
automatischen Tür, die Panik beim Zahnarzt, die Panik beim Warten
im Wartezimmer, die Panik der Briefträger, die Panik der Fußball

Spieler, Panik der Zuschauer, die Panik auf einer Rolltreppe
im August: Panik der offenen Türen, Panikwind in den dürren
Sommerbäumen der Vorstadt, Panik des Ich kann das viel

besser machen, Paniksätze, Panikwörter, Panik der öffentlichen
Einrichtungen und Flure, wo sie sitzen. Die Panik der Tiere
auf den Weiden und in den dunklen Schuppen, die Panik

in den Konservendosen, Panik in den Knochen, Panik in den
Ferien. Die Panik mit violett geschminkten Lippen, die Panik
mit schwarz und grün lackierten Fingernägeln, die Panik der

silbrigen Fußnägel, Panik der Krücken und Rollstühle, die
Panik in den nach Karbol riechenden Gummigängen der Kranken
Häuser und der Krankenhausgärten, die Panik der Blüten im

Rondell, eine Panik akzentuierter Aussprache, eine Panik der
Fensterwischer auf den dünnen Leitern, eine Panik des im Gleich
Schritt gehenden Liebespaares, das sich an den Händen hält: Panik

der Dialektik, Panik der grün gepuderten Augenlider, Panik der
galoppierenden Sehnsüchte beim Fluchen, Haustürenpanik,
Elektronikpanik, Gas und Elektrizitätspanik. Die Panik

der Mittagspausen, die Panik aus den Wasserhähnen, die Panik,
die barfuß läuft, Panik quietschender Wagenreifen, die Panik in
den Speiserestaurants, die Panik auf der Toilette, Panik des

Danke schön sagens und die Panik der Wiederspiegelung der Häuser, der
Gesichter, der Öffnungen in den Schaufenstern, in dem
Fensterglas der geparkten Wagen, auf den verchromten Radkappen.

Hier hast du die Panik der stummen Männer und Frauen, die
Panik der Radfahrer, die Panik hinter den Blättern, die Panik
am Spülautomat, die Panik in der Waschmaschine, Panik in den Hoch

Häusern, Panik auf den Dachgärten, Panikgeruch, Panikstaub, Panik
der Abendkleider und Smokings, ein Panikficken, Panikparfum,
eine Panikbeleuchtung. Hier hast du Panikträume, Panik hinter

den Akten, die Panik an den Zugfenstern, die Panik in den
Mülleimern, die Panik aus den Tragetaschen, die Panik der Radio
Nachrichtensprecher und Fernsehansager, die Panik des Wetterberichts,

Panik der letzten Termine, Panik der Kalender, Panik der Verabredungen
und die Panik der Unterleiber, die Panik der inneren Organe, die
Panik der Flucht, schwarz verkohlte Ginsterpanik am Bahndamm,

Mietzimmerpanik und die Panik der ausgestreckten Hand, die
schwitzende Nachmittagspanik und ein leeres Zimmer, vollgestellt
mit Möbeln, voller Panik: Panik im Treppenhaus, Panik aus der Gitarre,

Panik hinter der zugezogenen Gardine, eine blutige Fresse Panik,
Musikboxpanik, Panikstüle, Panik am Flipperautomat. Die Panik
hockt auf dem Stuhl, eine Panik in fremder Sprache, eine Panik

am Kanal entlang zu gehen, Panik der Vornamen, Panik aufgekrempelter
Hemdärmel, Panik klebt an den Reklamewänden, Armbanduhren, Volksliedern
auf Schallplatten, Panik auf Toast, Panik im Sandwich, die Panik

der Kontrolleure, die Panik der Schlachthöfe, die Panik der
Großmärkte morgens halb vier, wenn sie in ein grünlichblaues
Licht getaucht sind, Panikstimmung am Flußufer, auf den Stahlbrücken,

die Panik des Schweins, dem ein Bolzen in den Kopf geschossen wird,
die Panik eines Salatblattes, das verfault, die Panik eines hinkenden
dreibeinigen Hundes am geschlossenen Kiosk, die Panik runter

gelassener Rolläden, die neue Panik in der Regierungserklärung:
besitzanzeigende Fürwörterpanik, Panik unter den Fingernägeln,
Trauerränder der Arbeit, Bratkartoffeln, gebraten in Paniköl,

das Panikgeräusch aus den Schönheitssalons, Unterwasserpanik,
die Panik der Pilze, Parkplatzpanik, Platzangst, die im Gehirn
platzt, eine schwitzende Achselhöhle Panik, belegte Zunge Panik,

Panik, die in Form eines Säuglings an den Geschäften entlang
geschoben wird, die Panik eines Selbstbildnisses, Panik zwölf Uhr
mittags: ein grelles, weißes Bettlaken Panik. Selbst die Schatten

füllen sich mit Panik. Die Panik färbt ein Unterhemd gelb. Die
Panik drückt Nummern in die Tasten. Am Ufer stinkender Flüsse und
Seen geht die Panik spazieren. Eine Erklärung, die Panik ist,

beim Einkaufen, Panikfarben der Saison, kalte Füße, Hausnummern,
ein mit Panik ausgestopfter Vogel auf dem Tablett, Panik der
Schnappschüsse, Panik der Ebenen, Panik unter der Matratze, Panik

unter dem Fußboden, Panik unter der Unterwäsche, Panik am
Schlüsselbund, Panik, gestempelt im Reisepaß der Bundesrepublik
Deutschland, Panik, zu buntem Eis gefroren in der Kühltruhe,

Panik am Strand und aus dem Strandkorb schauend, gefärbte
Melancholie, Panik der Hausbesitzer, Panik im Schlag
Schatten großer Gebäude in engen Straßen, Paniksonnenbrillen

am Eingang der Kaulhalle, drei Mark fünfzig Panik, dunkle
Rübe Panik, eine Panik im seidenen Unterrock, der verrutscht
ist bei einem nackten Mädchen in der Pubertät, Panik beim

nach Hause kommen und in den Vorgarten sehen, Panikgewürz,
Panik bei einem Festessen hinter geschlossenen Mahagonietüren,
Panik bei einer Hochzeit im Wirtshaussaal, Notizzettel mit

Paniknotizen, die Panik der Autobiografien in den Schau
Fenstern der Buchhandlungen, Hast du das gesehen Panik: die
Panik der Lastwagenfahrer, wenn sie aus der Garage kommen und

sich schlafen legen, die Panik vor dem Einschlafen und die
Uhr hören, das Panikgeräusch der Groschen, die in den Spielautomat
gesteckt werden, die Panik, die auf einem Mohairteppich kyrillisch

tanzt, die Panik, die in der Regierung sitzt und regiert, die
Panik, die sich einen Arbeitskittel überzieht, die Panik, die sich
zurücklehnt: ich mache einen Satz über die Panik. Ich bin doch

kein Dolmetscher. Mitten am Dienstag, auf der Straße, herrscht
Panik. Wie liest sich das mit Freude, Mädchen, statt Panik?